Holding, Spardose und steuerfreier GmbH-Verkauf – wie man mit der richtigen Struktur fürs Alter vorsorgt

Von Stefan Bobzin | Ziel voraus Steuerberater, Lübeck


Wer eine GmbH betreibt und irgendwann an Ruhestand, Übergabe oder Verkauf denkt, stößt früher oder später auf das Thema “Holdingstruktur”. Meist kommt das Thema zu spät – nämlich dann, wenn der Verkauf schon konkret wird. Dabei ist die Holding eine der wenigen echten Stellschrauben, die man langfristig aufbauen muss, um sie wirklich nutzen zu können.

Ich erkläre in diesem Beitrag einmal, wie eine Holdingstruktur funktioniert, was steuerlich dahintersteckt und warum das Thema für jeden GmbH-Gesellschafter relevant ist, der irgendwann aufhören oder übergeben will.


Was ist eine Holding überhaupt?

Eine Holding ist in den meisten Fällen eine GmbH, die Anteile an einer anderen GmbH hält. Statt dass du als Privatperson 100 % an deiner operativen GmbH hältst, hält eine zweite GmbH (die Holding) die Anteile an der anderen GmbH (der operativen Gesellschaft).

Du (Privatperson)
       ↓
  Holding GmbH
       ↓
  Operative GmbH
  (das eigentliche Geschäft)

Das klingt zunächst nach unnötiger Komplexität und höheren Kosten. Der Grund, warum das trotzdem sinnvoll sein kann, liegt im Steuerrecht – konkret an zwei Stellen und an finanzmathematischen Grundsätzen.


Vorteil 1: Die Spardose – Gewinne günstig parken

Wenn die operative GmbH Gewinne an die Holding ausschüttet, greift das sogenannte Schachtelprivileg: Dividenden zwischen zwei GmbHs sind zu 95 % steuerfrei. Entsprechend sind 5% steuerpflichtig und die effektive Steuerbelastung auf diese Ausschüttung liegt damit bei ca. 1,5 % – praktisch null.

Zum Vergleich: Schüttet die operative GmbH an dich als Privatperson aus, fallen ca. 25 % Abgeltungsteuer an – auf einen Gewinn, der auf GmbH-Ebene bereits mit ~30 % versteuert wurde.

Die Holding wird damit zur Spardose: Gewinne aus dem operativen Geschäft können nahezu steuerfrei in die Holding transferiert und dort angesammelt werden. Dieses Kapital kann dann investiert werden – in Immobilien, Wertpapiere, andere Beteiligungen oder einfach als liquide Reserve gehalten werden.

Für die Altersvorsorge ist das ein enormer Hebel. Wer über Jahre hinweg Gewinne in der Holding parkt und investiert, baut sich eine Vermögensstruktur auf, die deutlich effizienter ist als die klassische private Vermögensbildung nach Steuern.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Ohne HoldingMit Holding
Gewinn operative GmbH200.000 €200.000 €
Steuer auf GmbH-Ebene~60.000 €~60.000 €
Ausschüttung an Holding/Privatperson140.000 €140.000 €
Steuer auf Ausschüttung~35.000 € (25 %)~2.100 € (1,5 %)
Verbleibendes Kapital zum Investieren~105.000 €~137.900 €

Der Unterschied: über 32.000 € pro Jahr, die mehr investiert werden können. Auf 10 oder 15 oder noch mehr Jahre gerechnet ist das erheblich.


Vorteil 2: Der steuerfreie GmbH-Verkauf

Hier wird es noch interessanter – und das ist der Grund, warum das Thema im Bereich Nachfolge so relevant ist.

Wenn eine GmbH ihre Tochtergesellschaft verkauft, ist der Veräußerungsgewinn ebenfalls zu 95 % steuerfrei, ergo 5% des Veräußerungsgewinnes sind steuerpflichtig. Die effektive Steuerbelastung beträgt wieder nur ca. 1,5 %.

Wenn du als Privatperson deine GmbH verkaufst, greift das sogenannte Teileinkünfteverfahren: 60 % des Veräußerungsgewinns sind steuerpflichtig, der Rest steuerfrei. Effektive Belastung je nach persönlichem Steuersatz – im Spitzensteuersatz ca. 27 %.

Der Unterschied ist massiv. Bei einem Veräußerungsgewinn von 2 Millionen Euro ergibt sich folgendes Bild:

Verkauf aus PrivatvermögenVerkauf aus der Holding
Veräußerungsgewinn2.000.000 €2.000.000 €
Steuerbelastung (ca.)~540.000 €~30.000 €
Netto nach Steuern~1.460.000 €~1.970.000 €

Das sind über 500.000 € Unterschied – bei identischem Verkaufserlös, nur durch die richtige Struktur.


Was man dabei wissen muss

So klar die Vorteile sind, so wichtig sind die Rahmenbedingungen:

Die Holding muss frühzeitig aufgebaut werden. Eine nachträgliche Einbringung der operativen GmbH in eine Holding ist zwar möglich – das Steuerrecht sieht dafür einen steuerneutralen Weg vor – aber es gibt Sperrfristen. Wer die Anteile kurz nach der Einbringung verkauft, kann die Steuerfreiheit verlieren. Die Faustregel: mindestens sieben Jahre vor einem geplanten Verkauf sollte die Struktur stehen.

Die Holding ist kein Steuervermeidungsmodell. Gewinne, die aus der Holding privat entnommen werden, unterliegen der normalen Besteuerung. Der Vorteil liegt im Thesaurieren und Reinvestieren innerhalb der Struktur – nicht im dauerhaften Umgehen von Steuern.

Laufende Kosten entstehen. Eine Holding ist eine eigenständige GmbH mit eigenen buchhalterischen und steuerlichen Pflichten. Das bedeutet zusätzlichen Aufwand und zusätzliche Kosten – Jahresabschluss, Körperschaftsteuererklärung, ggf. Gewerbesteuer. Das muss der Vorteil aufwiegen, was er bei entsprechendem Gewinn in aller Regel tut.

Gesellschaftsrechtliche Sauberkeit ist Pflicht. Ausschüttungen zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft müssen ordentlich beschlossen und dokumentiert werden. Informelle Geldflüsse zwischen den Gesellschaften ohne entsprechende Grundlage können steuerlich als verdeckte Gewinnausschüttung gewertet werden.


Wann macht eine Holding Sinn?

Eine Holding macht nicht immer Sinn und in der Beratung weise ich auch stetig darauf hin. Folgende Anhaltspunkte gibt es und diese gehe ich mit Kunden bei dem Thema durch:

Eher sinnvoll, wenn…

  • die operative GmbH dauerhaft Gewinne erzielt, die über den persönlichen Lebenshaltungsbedarf hinausgehen
  • ein Unternehmensverkauf oder eine Nachfolge in den nächsten 10–20 Jahren realistisch ist
  • man Kapital strukturiert aufbauen und investieren will
  • mehrere Beteiligungen oder Tochtergesellschaften geplant sind

Insbesondere der erste Punkt (Lebenshaltung ist gegeben) ist enorm wichtig, es muss schlicht genug Geld übrig sein.

Daher ist eine Holding weniger sinnvoll, wenn…

  • der gesamte GmbH-Gewinn (noch) für den Lebensunterhalt benötigt wird
  • das Unternehmen noch jung ist und die Zukunft unsicher
  • der administrative Mehraufwand in keinem Verhältnis zu den möglichen Steuervorteilen steht

Fazit

Eine Holdingstruktur ist kein Luxusthema für Konzerne. Sie ist ein sinnvolles Instrument für jeden GmbH-Gesellschafter, der langfristig Vermögen aufbauen oder sein Unternehmen irgendwann übergeben oder verkaufen will. Der steuerliche Unterschied – sowohl beim laufenden Gewinn als auch beim Verkauf – kann erheblich sein.

Was ich immer wieder sehe: Das Thema wird zu spät angegangen. Wer mit 58 anfängt, darüber nachzudenken, hat deutlich weniger Spielraum als jemand, der es mit 40 strukturiert aufbaut.

Wenn ihr wissen wollt, ob eine Holdingstruktur für eure Situation Sinn ergibt und wie ein Aufbau konkret aussehen würde, dann können wir uns dazu gern einmal austauschen.


Ich bin Stefan Bobzin (Spitzname „Bob”) und arbeite als Steuerberater bei Ziel voraus Steuerberater in Lübeck. Im Bob Blog schreibe ich über Steuern und Unternehmerthemen – so wie ich sie unseren Kunden auch laufend erkläre. Ohne Umwege, ohne viel Fachsprache und vor allem mit dem Ziel, eine klare Antwort zu geben.